Reise 2001

Studienreise nach Italien: Roma – Città Eterna


Donnerstag, 24. Mai 2001

Abfahrt von der Herz-Jesu Kirche in Weimar Richtung Italien. Unser erstes Ziel ist Trento, wo uns im Hotel Everest das erste ausgiebige und von Franklin bereits Stunden zuvor mündlich zelebrierte Menü erwartet. In Trento ist wirklich schon der Sommer eingekehrt. Unter der Leitung von Dr. Siegfried Seifert besichtigen wir nach dem Abendessen die Stadt, lassen uns in verschwiegene romantische Hinterhöfe führen und hören Szenen von Goethes Aufenthalt in Trento an Ort und Stelle. Wohl dem, der historische Fachkenntnis mit Ortskenntnis verbindet und uns anderen dies beides auf so anschauliche Art und Weise vermitteln kann! Ein Dank an Siegfried Seifert.


Freitag, 25. Mai 2001

In der Frühe geht es zur Besichtigung des Castello del Buonconsiglio. Gleich am Bushalteplatz vor der Burg entspinnt sich die erste der unter einigen Mitreisenden üblichen botanischen Diskussionen: Inwieweit unterscheidet sich der in Italien gedeihende Ginkgo vom Weimarer? Die Burg, dunkel und verschlossen am Rande der Altstadt thronend, ist wirklich den Besuch wert, wir besichtigen das Turmzimmer mit den Darstellungen der für jeden Monat üblichen mittelalterlichen Alltagsangelegenheiten (im Januar, meinem Geburtsmonat, beschäftigte man sich auch in Trento mit Schneeballschlachten - wer kann das im Hinblick auf die Hitze draußen nachvollziehen?). Zwischen den verschiedenen Flügeln der Burg wandelt man in Gärten mit fast mediterraner Flora. Im Schatten des ersten Granatapfelbaums jenseits der Alpen wartet man auf die ersten Souvenirjäger. Das Trentin ist doch fast noch Südtirol, fast noch gar nicht Italien. Sollte Franklin wirklich Recht haben mit seiner Behauptung, dass auch das Tal der Etsch einmal eine ganze Reise wert sei?

Schon lange drängt Franklin zum Aufbruch, aber wir wollen alle noch ein Poster mit der Darstellung unseres Lieblingsmonats kaufen. Viel zu spät fahren wir los, denn natürlich können wir Trento nicht verlassen, ohne nicht wenigstens einen flüchtigen Blick in den Dom geworfen zu haben. Höchstens eine Weihrauchallergie könnte uns davon abhalten...

Den Mittag bis zum frühen Nachmittag, zum späten Nachmittag, zum frühen Abend, zum (...) verbringen wir in der Erwartung, endlich das Meer zu sehen. An das Abendessen im Hotel Fenice in Santa Severina, das uns Franklin so schmackhaft angekündigt hat, wagen wir schon gar nicht mehr zu denken: Als sich endlich die grünen Hügel zum Meer hin neigen, zucken Blitze über den Himmel. Das kann ja heiter werden.

Santa Severina entpuppt sich als wunderbarer Pinienhain für Sommerfrischler. Und in der Tat werden wir hier 7 Tage bei bestem Sommerwetter verbringen. Wie wird Eberhard, unser Fahrer, die schmalen Alleen und engen Kreisel zwischen den römischen „Straßenkreuzern" meistern? Bravourös! Gleich am ersten Abend werden Wetten abgeschlossen, wer zuerst dran glauben wird; das kleine Baustellenschild am Kreisverkehr, direkt an der Einfahrt zu „unserer" Straße oder der dem gegenüber stehende Baum. Gewinnen wird Eberhard: Alle beide bleiben unangetastet.


Samstag, 26. Mai 2001

Der erste Tag im Latium soll ganz dem Studium der Etrusker gewidmet werden. Die erste Etappe ist die Gräberstadt Cerveteri: Selten haben wir Kultur und Natur in so vollkommener Paarung erlebt. Zwischen hohen Pinien und Steineichen erheben sich die runden, mit Gräsern, Ginster und Wildblumen bewachsenen Kuppelbauten. Cervéteri gehört an diesem frühen Vormittag ganz uns. In kleinen Gruppen gehen wir auf Entdeckungsreise, steigen die Treppen zu den Grabkammern hinab, um die einzigartigen frühen Grabplastiken der Etrusker zu bewundern, oder folgen den schmalen Pfaden und Treppchen hinauf auf die bewachsenen Kuppeln.

Cerveteri scheint nicht nur als letzte Wohnstätte geeignet, hier könnte man durchaus einen Teil des diesseitigen Lebens verbringen.

Und weiter geht's im Bus nach Vulci: Wir fahren ins Hinterland und befinden uns bald auf einer der endlosen Landstraßen zwischen den grünen Hügeln. Erst spät entdecken wir die kleine Burg, die das etruskische Museum beherbergt.

Und noch viel später das beeindruckende spitzbogige Viadukt, den Ponte dell'Abbadia aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, der eine gewaltige Schlucht überspannt, die der kleine Fluss Fiora in die Landschaft gekerbt hat. Auch hier verbindet sich der kulturgeschichtlich bedeutsame Ort mit einem beeindruckenden Naturschauspiel: Manch einer verbringt mehr Zeit mit der Be­trachtung der seltsamen Felsformationen am Rande des Flüsschens als im Museum.

Den Nachmittag verbringen wir in Viterbo, das als „Vicus Elbii" etruskischen Ursprungs ist. Die Stadt der schönen Frauen und zierlichen Brunnen gehört seit dem 8. Jahrhundert dem Kirchenstaat und ist mit seinem Papstpalast für uns eine erste Vorstufe zum morgigen Rombesuch.

Die Sonne neigt sich bereits tief über den Horizont, als wir auf unserem Rückweg nach Santa Severa am Gräberfeld von Tarquinia halt machen. Es sieht zunächst aus wie eine wunderschöne Wildblumenwiese auf einem Hügel, auf dem man ab und an eine kleine grasbewachsene Hütte erbaut hat. Die kleinen Hütten, die eigentlich nur aus einer Tür bestehen, sind die Zugänge zu den un­terirdischen Grabkammern, die mit wunderbaren roten und grünen Malereien ausgestattet sind. Man wandert in kleinen Gruppen von Tür zu Tür, teilt unterwegs den Entgegenkommenden mit, welcher Abstieg sich besonders „lohnt" und lässt den Blick über die grünen Hügel im Westen bis zum Meer gleiten - nach Osten scheint die Hügellandschaft end­los.

Nach einem langen Tag haben wir uns das Abendessen im Hotel Fenici redlich verdient.


Sonntag, 27. Mai 2001

Nun endlich: Rom!

Nach dem Jubiläumsjahr 2000 ist es gar nicht so einfach, Rom zu besuchen... Wir brauchen für unseren Bus eine Einfahrtsgenehmigung, die wir - trotz vorheriger Anmeldung - an einem Checkpoint am Grande Circolo Anullare, der Rom umrundenden Stadtautobahn abholen müssen. Dann bekommen wir eine Genehmigung an einem bestimmten Ort in der Innenstadt mit dem Bus anzuhalten und eine zweite Genehmigung, den Bus an einem anderen Ort zu parken. Der erste Tag scheint ganz dem Studium dieses Systems gewidmet werden zu sollen. Aber dann findet man den Checkpoint doch noch. Der Ausstieg der Reisenden zum ersten Stadtrundgang klappt auch. Und auf der anschließenden Parkplatzsuche lernen Franklin und Eberhardt auch diejenigen Teile Roms kennen, die ihnen bisher verborgen geblieben waren...

Der Nachmittag präsentiert uns gleich einen Höhepunkt der römischen Sehenswürdigkeiten: Das etruskische Museum in der Villa Giulia birgt unglaubliche Schätze. Da verstummen selbst die Zweifler, die nach unserem ersten Etruskertag geglaubt hatten, dass es für uns unter dieser Sonne höchstens noch Franklins Vortrag über die Namensgebung der Etrusker oder die etruskischen Praktiken der Hellseherei als Neuheiten über diese Kultur würde geben können...

Das Abendessen nehmen wir in einem Hotel an der Via Flaminia ein. Fast hätte man uns wegen der vorhergehenden Hochzeitsgesellschaft vergessen, aber am Ende kann doch ein jeder zumindest mit einem schmackhaften Apfel als Dessert ins Hotel zurückkehren.


Montag, 28. Mai 2001

Die Vatikanischen Museen. Wenn man die schier unendliche Schlange vor dem Eingang sieht, glaubt man kaum, dass 4 Tage in Rom genügen werden, um hier Einlass zu finden. Aber, siehe da: Die Wartezeit ist viel geringer als befürchtet, und im Hinblick auf den Reichtum, der einen im Innern des päpstlichen Palastes erwartet, würde man im Nachhinein doch jede Wartezeit in Kauf nehmen. Die restaurierte Sixtinische Kapelle ist tatsächlich eine Überraschung: Sie strahlt heute in Farben, die bei unserem ersten Besuch in Rom schwerlich erahnbar waren.

Am Nachmittag besichtigen wir die Casa di Goethe in der Via del Corso. Ein kleines, aber feines Museum mit rotem Terrakottaboden und so manch einem für Weimarer nicht ganz unbekannten Ausstellungsgegenstand. Nur schwerlich können wir der Versuchung entgehen, unserer Stadtführerin kleine Fangfragen zu Leben und Werk Goethes zu stellen.

Auf der Piazza del Popolo beginnen die Vorbereitungen zur Feier des frisch gewählten römischen Bürgermeisters. Hier, wo Goethe einst zum ersten Mal die römische Stadtgrenze überschritt, verlassen wir heute per Untergrundbahn den Innenstadtbezirk. Wir treffen Eberhard, der mit unserem Bus in der Peripherie auf uns wartet und fahren zu den Katakomben.

Im unterirdischen Gewirr der Gänge reizen nicht allein Architektur und Relikte der ersten frühchristlichen Siedlungen, sondern vor allem auch die Mitbesucher die Neugier: Südamerikanische Nonnen stimmen plötzlich in einer Kapelle ihre Choräle an, eine Ordensgruppe hält in einem Nebengelass eine stille Messe. Wir befinden uns wirklich in einer unterirdischen Stadt.


Dienstag, 29. Mai 2001

Wir besuchen die Villa Borghese, die nach über 14 Jahren Restaurationszeit 1999 mit einem hoch modernen Museumskonzept wieder eröffnet wurde.

Heute muss man seine Eintrittskarten Wochen zuvor bestellen. Dafür kann man sich dann den wunderbaren Skulpturen Berninis und den Gemälden Tizians ohne Gedränge widmen, kann der Frage nachgehen, wie es gelingen kann, den Unterschied zwischen alter und junger Haut (Aeneas, der seinen Vater Anchises auf den Schultern aus Troja hinaus trägt) mit dem Medium des Marmorsteins so eindrücklich darzustellen. Noch wunderbarer wird der Steinzauber auf der Oberfläche der Daphne, die sich, von Zeus berührt, unmittelbar in eine Weide verwandelt.

Danach steht ein Besuch auf dem Forum Romanum an. Den Nachmittag wollen wir im EUR, Mussolinis faschistischem Musterstadtteil, in dem im Jahr 1942 der 20. Jahrestag des Marsches auf Rom mit einer Weltausstellung gefeiert werden sollte, verbringen. Wir fahren die „Prachtstraße" der Gebäude, die direkt aus einem Gemälde von Giorgio de Chirico entsprungen zu sein scheinen, einige Male hinauf und hinunter, bis wir die Abfahrt zum Museo della Civiltà Romana finden. Viele von uns sind aber schon ein wenig museumsübersättigt und nutzen die Pause vor dem Museum zu einem Kaffee, Bier oder anderen Erheiterungen...

Am Abend lernen wir dann die wahre römische Küche in Trastevere kennen.


7. Mittwoch, 30. Mai 2001

Der Tag beginnt mit einem Ausflug nach Ostia Anticha, der römischen Siedlung in der Tibermündung aus dem 4. Jahrhundert. Ein Tag reicht kaum aus, um allen Sehenswürdigkeiten dieser alten Hafenstadt die Ehre zu erweisen. An diesem strahlendblauen Sommertag beschränken wir uns auf den Decumanus Maximus - die Hauptstraße, die die Stadt von Osten nach Westen durchquert -, die Schankstube - das Thermopolium -, die Terme di Nettuno, den Piazzale delle Corporazioni, der einst über 70 Handelsvertretungen beherbergte, und unzählige andere Überraschungen.

Am Nachmittag könnte man noch einmal nach Rom hineinfahren... Wir entscheiden uns jedoch für die Sonnenvariante: Nach Pyrgi wollen wir, Santa Severas Burganlage, in der man sowohl die etruskischen als auch die römischen Ursprünge noch nachvollziehen kann. Sehe ich Ungeduld auf den Gesichtern der Reisenden bei den ausführlichen Erläuterungen der Stadtführerin? Der Himmel ist eben doch zu blau, das Meer zu nah... Endlich ein halber Nachmittag am Strand von Santa Severa! Da schmeckt das Fischmenü am Abend doch gleich viel besser!


Donnerstag, der 31. Mai 2001

Wir fahren zu den Ville Romane. Wer Rom kennen will, muss zumindest die Hadriansvilla mit dem Kaiserpalast, den Gärten und Wasseranlagen besichtigt haben. Diese Residenz war in der Antike die größte und prächtigste ihrer Art. Hadrian ließ in seine Baupläne ganz deutlich die Erfahrungen seiner Reise nach Ägypten einfließen.

In Tivoli besuchen wir natürlich die Villa d'Este mit ihrer verwunschenen Gartenanlage. In Palestrina reicht die Mittagspause gerade für einen kleinen Stadtrundgang auf den Spuren des großen Renaissance-Komponisten gleichen Namens. In Frascati sind wir inzwischen so ausgehungert, dass wir die wunderbare Villa Aldobrandini buchstäblich links liegen lassen und sogleich zur Weinprobe schreiten, die glücklicherweise mit vielen rustikalen Spezialitäten aus dem Latium unterfüttert wird. Andernfalls hätten wir der alten italienischen Beobachtung, dass tagsüber Frascati voller Deutscher sei, abends hingegen die Deutschen voller Frascati, einigen Vorschub geleistet ...


Freitag, 1. Juni 2001

Unser erstes Ziel ist Franklins Freund Roberto, der Meisterkoch und Pferdezüchter. Er hat bereits alle Zutaten für ein Abschiedspicknick zum Mitnehmen bereitgestellt und zeigt denjenigen, die nicht noch ein letztes Stück Pecorino für zuhause einkaufen wollen, voller Stolz seinen Maremma-Hengst.

Unseren Proviant sparen wir uns allerdings auf für einen idyllischen Platz an der Küste, weiter im Norden. Dort breiten wir Robertos Köstlichkeiten auf der Mole aus und verabschieden uns mit einem Glas roten oder weißen Weins vom thyrrenischen Meer.

Dann geht es weiter zu den Marmorsteinbrüchen von Carrara, aus denen ein Großteil der römischen Bauten und Skulpturen stammt. Der Abstecher hinauf in die Steinbrüche kostet uns eine gute Stunde Reisezeit. Die Cave sind tatsächlich ein einmaliges Erlebnis und die Tatsache, dass man die letzten Lire noch gegen diverse marmorne Haushaltsutensilien tauschen kann, wird von allen Reisenden begrüßt. Wir bezweifeln unseren Entschluss erst im Stau bei Parma. Wird Robertos Imbiss bis Trento vorhalten? Er wird wohl oder übel. Nachdem wir uns im Hotel Everest in Trento ein letztes Mal auf italienische Art zu Abend gestärkt haben, findet fast niemand sofort den Weg ins Bett. Noch lange sitzen wir bei einem Glas Averna oder Wein vor dem Hotel und sinnen den hinter uns liegenden Tagen nach. Anstrengend war die Reise, sehr anstrengend und voller Eindrücke. Aber diese sollen ja eine lange Zeit vorhalten. Und das werden sie.


Samstag, 2. Juni 2001

Nach dem Frühstück treten wir die Rückfahrt nach Weimar an. Die lange Heimreise wird uns durch den von italienischer Freundeshand gekelterten Wein angenehm verkürzt. An der Katholischen Kirche in Weimar angekommen, können wir uns kaum von einander trennen. Manch einer vertauscht am Ende noch die Koffer, damit wir alle noch Anlass und Gelegenheit haben, miteinander zu telefonieren und uns zu sehen.

Text: Julia Draganovic, DIGIT Projektkoordinatorin

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